Heinrich Barth 1890–1965

Schwerpunkte seines Denkens

Die beiden Hauptbegriffe in Barths Denken sind „Erscheinung“ und „Existenz“. Von ihnen aus erschliessen sich die übrigen Schwerpunkte — auch der letzte, das Verhältnis von Vernunft und Glauben, ist kein eigenständiges Thema, sondern steht in engster Verbindung mit dem zuvor Entwickelten.

Erscheinung
Nicht das blosse Abbild eines dahinterliegenden Eigentlichen. Barth unterscheidet aktuelle und potentielle Erscheinung; die zweite umfasst auch das, was bei anderen Autoren als unsichtbar, als der Erscheinung sich entziehend gedacht wird. Mit der Zentralstellung des Begriffs geht eine Aufwertung der Sinnlichkeit einher.
Existenz
Barth stimmt den Existenzphilosophen in der Betonung der Kontingenz zu, nimmt diese aber in einen transzendent-transzendentalen Rahmen hinein. Die Verschränkung von transzendentaler Begründung und gelebter Entscheidung ist der systematische Kern.
Wirklichkeit
Um Wirklichkeit bemüht sich alles philosophische Denken. Indem es auf allgemeine Aussagen zielt, gerät es aber in Gegenstellung zum Konkreten, Besonderen, Individuellen — also zu dem, was man gemeinhin Wirklichkeit nennt. Diesem Streben haftet etwas Paradoxes an.
Das Ästhetische
Kunst und Wahrnehmung sind kein Nebenschauplatz der Erkenntnis, sondern deren Prüfstein. Über diesen Zugang ist Barth in den letzten Jahrzehnten neu gelesen worden.
Vernunft und Glaube
Für den Bruder Karl Barths war die Bestimmung des Verhältnisses von Philosophie und Theologie das tägliche Brot — und die Stelle, an der er weder von theologischer noch von philosophischer Seite wirklich verstanden wurde.
Anknüpfungspunkte für heutiges Denken